99. Valentin, Bischof von Hildesheim berichtet dem Kaiser Karl V. über den Erfolg seiner Mission bei den Ständen Böhmens wegen der Cassirung des zwischen denselben geschlossenen Bündnisses.

PRAG, 1547, 27. Mai. - Orig. des k. k. Staats-Archivs in Wien. Böhmen. I. 1400-1570.

Allerdurchleuchtigster etc. Allergnedigster Herr! auf Euer Röm. Kais. Mt. gnedigst Begehren und Bereichen hab ich mich anher gein Praga zu den Ständen der Krön Behem in aller Underthenigkeit und Gehorsam verfügt, also dass Euer Kais. Mt. Bereich nach ich auf Donnerstag den 19. dits Monats Mai daselbst neben der Röm. Kais. Mt. verordneten Botschaft einkommen bin.

Und auf folgenden Freitag 20. Mai zu Morgen, als die Stände bei einander gewesen denselbigen Euer Kais. Mt. gnedigsten Bereich und Instruction, inmassen mir die densélbigen Morgen Früh zurkomben, mit kurzer vorgeender Anzeig, aus was gnedigster Zuneigung die Euer Röm. Kais. Mt. zu der gemeltem Krön Behaim und ihnen, den Ständen, trugen, mich an sie, die gemeine Stände, abgefertigt, von Worten zu Worten verlesen lassen.

Darauf so bald in statt Euer Kais. Mt. begert, dass sie soliche Euer Kais. Mt. Zuneigung, Gemüt und Willen, dergleichen auch ihrer selbes Notturft und Wolfart und Gelegenheit der Sachen bedenken und sich zu denen Sachen gegen Euer Kais. Mt. also gehorsamlich underthenig und will-ferig erzeugen und beweisen wollten, wie sie des zu thun schuldig und sie solichs für sich selb als pillich erkennen konnten.

Auf solliches haben die gemelte Stände mir hinwider neben gethanen Danksagungen Euer Kais. Mt. zuentpotnen gnedigsten Gruss und Willens anzeigen lassen, dass sie meine Abfertigung dergleichen Euer Kais. Mt. mitgegebne Instruction und das zu letzt angehengte Begeren angehört und vernommen. Dweil aber der mehrer Theil under den Ständen der deutschen Sprach nit kundig auch verstendig, damit dan sie alle durchaus des Inhalts gedachter Eurer Kais. Mt. Instruction Bericht entpfahen möchten, gebeten dass ich ihnen derselbigen, Euer Kais. Mt. Instruction Abschrift mittheilen wollen, sie dieselbig in behemisch Sprach setzen, darnach dieselbig beratschlagen, sich einer forderlichen Antwurt entschliessen und so sie deren entschlossen, mir die anstat Euer Kais. Mt. hinwider onverzugenlich eröffnen.

Demselbigen nach und dweill Euer Kais. Mt. Bereich mir sollichs auch auflegt, dass auf ir Begeren ich ihnen Abschrift mittheilen und sie dieselbig selbs in Behemisch Sprach transferiren lassen sollte, hab ich ihnen von stund Abschrift fertigen und zustellen lassen.

Auf den follgenden Montag 23. Mai haben sie zu mir etliche Verordnete geschickt und ansagen lassen, dass sie bis daher in kleiner Anzahl ankörnen gewesen, theten auch ettlicher mehr Person von den Ständen erwarten, so weren die Sachen wichtig und gross, bedurften guts Raths und Bedenkens, beten, ich wollt des Verzugs kein Beschwerd tragen, denn sie hetten die Sachen under Hand genommen, wollten dieselbig so bald wie müglich fürdern und das sie sich verglichen mir hinwider anzeigen.

Drauf ich ihnen geantwurt, dass sie selbs erachten könnten, dass Euer Kais. Mt. on Zweifel nach der Antwurt Verlangen tragen möchte, so weren die Sachen wichtig und schwere nit, dass sie densélbigen nit bald, wol und fuglich abhelfen konnten, wenn sie derselbigen Umbstend und Gelegenheit bedenken und Euer Kais. Mt. gnedigst Gemüt und Erpieten zu Herzen fassen wollten, meinethalb trug ich der Verzugs geringe Beschwere!, Euer Kais. Mt. het mich ihnen zu Gnaden und Gutem abgefertigt, wollt meinstheils an mir nichts erwinden lassen, das zu Abhelfung der Sachen dienstlich und nötig und der Antwurt, deren sie sich entschliessen wurden, gern abwarten in Zuversicht, sie wurden gern sich mit derselbigen dermassen fürdern, die auch dahin richten, dass sie Euer Kais. Mt. zu Gefallen und ihnen zu Gnaden und Gutem erspriessen möchte.

Als nun (an) mich die folgende Tage angelangt, wie dass sie sich der Pundnuss zu cassiren zum höchsten beschwerten und Willens weren, sich auf diese Meinung zu entschliessen, nemlich, dass sie soliche Verschreibung und Pundnuss bei die Landtafel des Königreichs Behem legen, so bald auch zu Euer Röm . Kais, und der Kön. Mt. widerumb ein Botschaft abfertigen, denselbigen durch sollicher ihre Botschaft Antwurt geben, des Landtags, des sie vertröst wurden, erwarten und so dann ihnen aus solichen Landtage ihrer Beschwerde und Obligen abgeholfen, dass sie alsdann die angeregte Verschreibung fallen und auf sein lassen wolten.

Hab ich gedacht, dass sollichs nit allein ein Pfendung, sondern auch ein Misvertrauen aufm Rücken trüge, und Euer Kais. Mt. oder auch der Röm. Kön. Mt. beschwerlich und nicht thunlich sein wollte, also gepfendet, den Landtage zu benennen, und dass sie ihrer Mt. ein solich Misvertrauen zumessen sollten.

Hab derwegen mit Rath und Furwissen der Kön. Mt. Botschaft und Verordenten solichem Beschluss und Antwurt fürkommen wellen, und desshalb an izt verschinen Donnerstag den 26. Mai umb Verhör bei ihnen angesucht. Und wiewol solliche Verhör sich etwas verzogen, so haben sie doch mich zusampt der Königl. Mt. Verordneten zurletzt eingefordert und mein und derselbigen Anbringen vernehmen wellen.

Also hab ich ihnen neben kurzer mundlicher Anzeig diese beiverwarte Verinnerung uud Bittschrift verlesen lassen, ihnen auch dieselbigen so bald zugestellt, die sie zu bedenken, sich der Antwurt zuentschliessen und so sie entschlossen mich wiederumb zu ihnen zuerfordern und zu beantworten erboten.

Wess nun der Röm. Kais. Mt. verordnete und gesandte Botschafft in behemischer Sprach ihnen den Ständen daselbst furtragen und in Schriften verlesen lassen, auch darauf hinwieder für Antwort entpfangen, dasselbig werden dieselbig ihrer Königl. und auch Euer Röm. Kais. Mt. onzweifelich onangezeigt nicht gelassen haben.

Folgends auf heüt dato Freitag den 27. Maji umb Mittagszeit haben oberurte Stände mich als Euer Kais. Mt. Botschaft, dergleichen auch der Röm. Königl. Mt. Gesandte und Botschaften zu Ihnen erfordern und in deutscher Sprach mir anzeigenn lassen:

Dass sie verschiener Tagen vernommen, welcher Gestalt Euer Röm. Kais. Mt. mich zu ihnen abgefertigt, darneben die kaiserliche Instruction angehört und sich in derselbigen Abschrift, die sie auch in behemisch Sprach setzen lassen, ersehen hetten, dieselbig die Tage daher mit gutem Fleiss bedacht und beratschlagt, hetten darneben meine gestrige an sie gethane Veiinnerung, die ich von desswegen, das mich anbelangt, wes sie sich mit Hinderlegung der Pündtnuss bei die Landtafel der Krön Behem zuentschliessen Furhabens sein sollten, gethan, auch bedacht und erwogen, weren willig Eu. Römischen Kais. Mt. in allen ihren Begeren underthenigiste Willfarung zu leisten, so sie desselbigen aus trefflichen und beweglichen Ursachen nit verhindert wurden.

Denn so sie Euer Kais. Mt. auf alle soliche Ihre Begeren underthenigst willfaren sollten, wie sie zum höchsten geneigt, so könnt Ihre Lands-Ordnung keinswegs bestehen, und sollte, wenn dasjenige, so in die Landtafel gehörig, derselbigen widrumb eingeleibt, alsdann die angeregte Pündtnus von Stand cassirt, vernichtigt und aufgehebt werden.

Betten daraumb, ich wolt sie gegen Euer Röm. Kais. Mt. zum unterthenigisten und fleissi-gisten entschuldigen und wollten derowegen mir ihre Antwurten, die sie auf meine beschehene Werbung und habende Kais. Instruction Euer Kais. Mt. zugeben entschlossen in Schriften auf behe-mischen Sprachen verfasst, dieselbig auch in die deutsch Sprach setzen und mir denselbig Euer Kais Mt. widrumb einzubringen zustellen.

Und weren neben dem auch bedacht, dass sie gleich und neben mir und der Königl. Mt. Botschaften itzo wiedrumb ihre ansehenliche Botschaft an Euer Kais, auch die Königl. Mt. abfertigen wollten, die da Ihren Mt. weiteren Bericht, Entschuldigung und anders furbringen sollten, in under-thenigster Hoffnung Eurer Kais. Mt. wurden sich mit denselbigen gnedigst ersetigen lassen.

Weren urpittig und willig, Euer Röm. Kais. Mt. dergleichen auch der Römischen und Behe-mischen Königl. Mt. ihrem Herrn allen underthenigsten, schuldigen und gepurenden Gehorsamb zu leisten, also dass sie verhoffen, Euer Kais. Mt. gegen ihnen zur Ungnade einige Ursachen nit geben werden sollte.

Darauf ich ihnen hinwieder anzeigt, dass ich anstatt Euer Kais. Mt. verleiden hett mögen, wie ich dann auch mit sonderem Fleiss an sie begert hette, dass sie Euer Kais. Mt. statt geben und willfart hetten. Dweil aber sie angezeigten, dass es aus beweglichen Ursachen, die mir gleichwohl onbewusst, dissmals nit geschehen konnte, so möcht ich leiden, dass sie die Ursachen Eurer Kais. Mt. furbringen möchten, damit Euer Kais. Mt. ersettigt und zu Ungnaden gegen ihnen nit bewegt wurden. Und dweil ich demnach dissmals also von ihnen mein Abfertigung haben sollte, so wollte ich der schriftlichen Antwort Verfertigung erwarten, dieselbig Euer Kais. Mt. mit gepurendem Fleiss wiedrumb einbringen, und für mich zu befuerdern helffen, alles das zu Fried und Ruhe der Krön Behem diente, geneigt sein.

Des haben sie sich bedankt, und sobald der Königl. Mt. Gesanndten in behemischer Sprach mundlich und schriftlich Antwurt geben und zugestellt, welliche sie on Zweifel der Königl. Mt. zuzuschicken nit underlassen werden haben.

Wiewoll aber allergnedigster Herr ich auf solliche Vertröstung der schriftlichen Antwort umb dieselbig fleissig Anhalten gethan, so hab ich doch dieselbig diss Tags nit bekommen können. Damit aber nichtdaweniger Euer Röm. Kais. Mt. deren Dinge, wess ich bis daher auf habende Euer Kais Mt. Instruction und Bereich mit ihnen gehandlet, auch zur mundlichen Antwort bekommen, so hab Euer Kais. Mt. ich sollichs bei dieser Post onangezeigt nicht lassen wollen. Dass auch Euer Kais. Mt. ich bis daher nit geschrieben gehabt, ist die Ursachen, dass ich täglichs endlicher Antwort erwartet und Euer Kais. Mt. nit vergeblich bemuhen wellen und darneben Bericht entpfangen, dass der Königl. Mt. Gesandten Ihrer Kais. Mt. jederzeit, wes fürgelaufen und verhandlet, zugeschrieben haben sollen. Und thue damit Euer Röm. Kais. Mt. ich mich hiemit underthenigst befelhen.

Geben zu Praga den 27. Maji anno im 47.

Euer Römischen Kais. Mt.

underthenigster Kaplan Valentin, Bischoff zur Hildesheim m. P









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