83. Wolfgang Stachi von Pirgless an Herzog Ludwig von Bayern: berichtet über seine Sendung zu dem Herrn von Schwihau nach Rabí, ferner über seine Unterredung mit einigen böhmischen Herren auf der Versammlung der Stände des Pilsner Kreises; viele von ihnen seien den Herzogen von Bayern geneigt, nur die Pfluge und die Schlicke nicht; der Bürgermeister von Prag habe ihm gesagt, er gönne die böhmische Krone vor allen dem Herzoge Ludwig von Bayern.

dd. Prag 3. Oct. 1526. Original im. k. geh. Staatsarchiv in München 50/3 fol 26.

Durchleuchtiger u. s. w. genediger Herr! Nachdem E. f. G. mir ein Schreiben sambt andern zweien beiliegenden Missiven bei E. G. Kastenbereiter an die Herrn von Schwihau lautende zugeschickt und ich Eur fürstlichen Befelh alles Inhalts vernommen, darauf sollich E. G. Geschäft hab ich mich ze Stund an zu denselben Herrn von Schwihau auf ir Geschloss, den Raben genannt, verfüget, aber der keinen anheims getroffen. Darnach zu E. f. G, Diener Hansen Sälo geritten, demselbigen behendiget und ine damit zu meinem Brüdern gegen Prag geschickt. Er daselbs bemelte E. G. Missive genannter mein Bruder von ime Salo empfangen und den von Schwihau selbs gegeben. Und ich auf einen Versammlungtag, das die beheimischen Herrn Edelleuten und ander Stende in Pilsner Kreis, so derselben vol sitzend, auf eisen genannten Tag erschienen sein. Auch ich daselb, wie dann E. f. G. mit mir davon geredt, mit etlichen Herrn, auch meiner Freund, darzu ich mich vertreulich guts versehen hab, gehandlet, nit anders, als wie dann E. G. mit mir beschlossen haben und ich meinem Furhalten nach allen guten Willen bei inen gefunden, sunder allein, mir von meinen Vertrauten angezeigt worden, dass die Pflug und Schlicken E. G. nit sunderlich geneigt sein. Wie dem allen, ist mir wieder ein Kundschaft kummen, wie E. G. mir ein reitenden Boten nachgeschickt und derselb mich furritten. Habe ich mich furderlichen zu Pilsen enthebt und demselben eilend nach gegen Prag geritten, allda bei bemeltem meinem Brüdern gedachten Boten gefunden. Hatte er mir daselb E. G. Gescheit uberantwurt und ich demselben E. f. G. Geschäft allen seinen Inhalt gegen dem Michaeln Karg vollzogen und ausgericht. Darauf er ze Stund an von der Sach in einem Vertrauen mit mir geredet, auch E. G. Zuschreiben in Beiwesen mein gelesen. Auf sollichs ist er urpietig mit allem seinem muglichen Fleiss bei dem Rate, auch an andern Orten, dabei er sich vermeint guis zu haben, davon mit denselben Leuten zehandeln. Und was also ime darauf von E. f. G. wegen bei denselben begegnet oder zu Antwurt wurde, will er E. f. G. forderlichen zuschreiben und nit verhalten.

Ferrer gnediger Herr, als ich zu Prag bei dem Burgermeister an der Herber gelegen, daselben sich unter andern Reden zugetragen und E. f. G. mit dem Kunig erwelen gemeldet worden, und dass E. G. vor einem andern Fürsten vergönnen wollte. Sollichs alles hab ich E. f. G. sich darnach zerichten, habe nit unangezeigt wellen lassen. Dann ich in dem, wo ich anders mag etwas erfragen oder E. f. G. zu gutem bringen, nit will sparen. Thu mich hiemit etc.

Datum Prag an Mittichen nach Michaeli Archangeli anno etc. XXVIto.

E. f. G.

 

unterthäniger

 

Wolfgang Stachi zu Pirglss.


(An Ludwig, Herzog in Bayern.)




Přihlásit/registrovat se do ISP