65. Ein Bericht über eine angebliche Verhandlung des Herrn Caspar von Minkwitz mit den Breslauern, um Schlesien aus dem Verbände mit der Krone Böhmen zu lösen und mit Kursachsen zu verbinden sammt zwei Schreiben, die in dieser Angelegenheit zwischen Caspar von Minkwitz und Heinrich Tunkel von Brničko gewechselt wurden.

Kopie im grossherzoglichen Gesammtarchiv zu Weimar. Reg. B. Fol. 326.

Sonntag nach aller Heiligen Tag im XXVI Jahre hat der Landvoigt in Niederlaussnitz Herr Heinrich Tungkel (den) Caspar von Mingkwitz mit nachfolgenden Worten zu Luben in seiner Stuben frühe umb sieben Hora ungeferlich angesprochen:

Ich bin allewege mit euch in guter Einigkeit gestanden und noch wollte auch nit gerne zu Unfreundschaft Ursach geben, habe auch vor euch nichts verhalten und was ich im Herzen gehabt, euch geoffenbart, das will ich noch thun. Mir einer gesagt hat, ich hielte viel von euch, zuge euch am höchsien im Land hervor, es nehme ihn Wunder, worumb ichs thete, ir wert am negsien zu Breslau gewest, aus dieser Ursach zu erkunden, welcher Gestalt die von Breslau der Cron von Beheim verwandt und eingeleibt, was ir aber ausgericht, wussie er nicht, dann ir wert eilend wiederumb zuruk gezogen. Darnach were Herr Hans euer Bruder auch dohin kommen und hette mit den von Breslau gehandelt, dass sie sich von der Cron zu Beheim wenden und dem Churfürsten zu Sachsen untergeben; es were bei inen fast abgehandelt und hette nur an dem gemangelt, dass es der Churfürst nit hette angenommen, vielleicht besorget Widerwillen und Aufruhr, der daraus folgen mochte.

Darauf hat Caspar von Mingkwitz mit Fleiss gebeten, ime den Ansager solcher Rede anzuzeigen, aber der Landvoigt hat gesagt, wiewol er ime den viel lieber nennen wollte, denn verhalten, er hette sich aber mit solcher Zusage gegen ime verbunden, dass es ime nit geziemen wollte.

Als hat Caspar von Mingkwitz weiter geredt: dass er zu Breslau gewest, weste er nit zu leugken, wer aber gesagt hette, dass er dieser Ursach halben dohin gezogen, sich bei den von Breslau zu erkunden, welcher Gestalt sie der Cron zu Beheim verwandt und eingeleibt, der hette es boslich auf ine erticht und luge ihn an als ein Diep und Verreter seiner Ehren, auch den Landvoigt gebeten, demselben solchs wiederumb zu vermelden. Er halts auch nit darvor, dass Herr Hans sein Bruder solche Sachen zu treiben vorgenommen, viel minder verhandelt, so kennet er auch den Churfürsten zu Sachsen, der fürstlichen Tugend, dass Sein churfürstliche Gnaden der Cron zu Beheim noch niemand anders ire Land und Stette dermassen unter sich zu ziehen begeret, denn sein churfürstliche Gnaden weren zu solchen Hendeln zu fromm. So wurden auch Herr Hans und er ob es gleich von Jemand an sie gesonnen, sich darzu nit lassen gebrauchen. Darauf hat der Landvoigt angenommen, diese Rede seinem Ansager wiederumb zu vermelden und weiter gesagt, ime were nit entgegen, sonder bete, Caspar von Mingkwitz wollte davon reden an den Orten, da Leute bei einander weren, das hat Mingkwitz angenommen zu thun mit diesen Worten: Herr ir dorft darumb nit bitten, ich wills doch ane das, wie mir dann ziemet und geburet, nit schweigen und darmit dazumal abgeschieden.

An Herrn Heinrich Tunkel von Brničko.

Edeler, wolgeborner Herr! Meine ganz willige unverdrossene Dienste zuvorn. Gnediger Herr! Als jungst Eure Gnaden Sonntags nach aller Heiligen Tage mir unter anderm gnediger Meinung vermeldet, dass einer E. Gn. gesagt hette, ich were zu Bresslau gewest, mich zu erkunden, bei inen, welcher Gestalt sie der Cron von Beheim verwandt und eingeleibt, was ich aber da ausgericht, wusste er nicht, dann ich were eilend wiederumb zuruke gezogen. Darnach were Herr Hans mein Bruder auch dohin kommen und sollt mit den von Bresslau gehandelt haben, dass sie sich von der Cron zu Beheim wenden und dem Churfürsten zu Sachsen untergeben weiten, were auch bei inen fast abgehandelt, hette nur an dem gemangelt, dass es der Churfürst nit hette angenommen, vielleicht besorgt Widerwillen und Aufruhr, der daraus folgen möchte. Und wiewol ich dazumal, mir den Ansager namhaftig zu machen, mit Fleiss gebeten, darzu auch E. Gn. nit ungeneigt gewest, wann Ir auch gegen ime mit solcher Zusage nit verbunden, dass es E. Gn. nit wol gezimet zu melden. Darauf ich E. G. weiter gesagt, wer dasselb vor sich geredt, er were hohes oder niedern Standes, das hette er boslich auf mich ertichtet und luge mich an, als ein Dieb, Verreter meiner Ehren und mit was Worten ich den Churfürsten zu Sachsen, meinen gnedigsten Herrn klerlich Herr Hansen, mein Bruder, entschuldiget, tragen E. Gn. gut wissen; im Beschluss gebeten, denselben solchs von mir zu sagen, das dann E. Gn. also zu thun zugesagt.

Weil dann solche Sachen meine Ehre und Glimpf betreffen, ist nachmals an E. G. mein gar dienstlich Bitten, wo es mit nichten moglich, mir denjenigen, der solche Wort geredt, aus Gnaden zu vermelden, ob es ader je nit sein kann, mich doch verstendigen, ob ime E. Gn. mein Antwort und Entschuldigung angezeigt, und was er ferner darzu gesagt, darnach mich habe zu richten. E. G. wollten sich des nit beschweren, sonderlich weil es die Notturft meiner Ehre erfordert, das will ich Vermögens meine Leibs und Guts willig verdienen und bitte e. G. richtige Antwort.

Datum Dienstag nach Martini anno domini etc. XXVI.

 

Caspar von Mingkwitz auf Drenau.


Dem gestrengen, ernfesten Casparn von Mingkwitz auf Drenau, unserm gutem Gönner und lieben Gevattern.

Unsern Gruss zuvor. Gestrenger, ernfester, guter Gönner! Euer Schreiben haben wir alles Inhalts vernommen und seint der freundlichen Unterrede zwuschen uns beiden am Sontag nach aller Heiligen Tage geschehen, wol eindengke, zu sambt euer Entschuldigung und Bitte, wollen auch solchs dem Ansager und andern, wer es not, wann wir des bequem und gelegen Zeit ersehen, anzusagen nit unterlassen.

Datum Lubben, Mittwoch nach Martini anno XXVI.

 

Heinrich Tungkel,

 

Herr von Bernitzke, des Königreichs Beheim oberster Muntzmeister und Landvoigt in Niederlaussnitz.


Am Sonnabend nach Martini im XXVI. Jahre frühe umb acht Hora hat Caspar von Mingkwitz den Landvoigt mit Herr Georgen seinem Bruder Jacob von der Schulenburgk, Nigkel von Suericheim, Caspar von Kokeritz, Adam von Schlicken (?) und Wilhelm von Mylen als seine darzu gebetene Freunde abermals personlich zu Lubben ersucht und ine in Gegenwertigkeit Herr Jan Tungkels, Hans von Welen seins Canzlers und ander mehr seins Hofgesindes durch Schulenburg lassen anreden mit Erinnerung der Rede, Sontag nach Allerheiligen Tage ergangen, auch was Caspar von Mingwitz dem Landvoigt geschrieben und wiederumb zu Antwort erlangt, im Beschluss gebeten, in Betrachtung seiner Ehren Notturft ine nachmals den Ansager zu vermelden, das wollt er sambt seiner Freundschaft verdienen.

Darauf der Landvoigt durch sein Canzler hat lassen Antwort geben, er wusste sich der geschehenen freundlichen Unterrede zu erinnern und wiederumb die Wort, soviel Caspers Person betrifft, ganz verneut, darzu mit angehangen, er hette der von Breslau Privilegia besichtigt, auch seint in deme, was ime Mingkwitz zugeschrieben, gar kein Wort verneut oder geändert. Dass er aber den Ansager nennen sollt, wollt ime seiner Zusage nach nit geziemen, wiewol ers gerne thete und wie ers freundlich gegen Mingkwitz gemeint, ob es aber anders verstanden wurde, musste er geschehen lassen. Wenn es aber die Meinung haben sollte, wollt er sich gegen ime und andern solche und dergleichen Rede ein ander Zeit enthalten, wusste auch wol, was das auf ime hette, wenn einer eine Rede thete und nicht darin wollt bemelt sein und viel solche umbstendige höfeliche Wort eingefurt.

Aber Caspar von Mingkwitz ist darauf berührt, weil ime der Ansager nit konnte angezeigt werden, das musst er auf seinem Fall bleiben lassen und achte noch nicht anders, dann dass der Landvoigt die Rede gegen ime gnediger Meinung gethan, er hette aber davon geredt und wollte noch darvon reden, dann wie er dem Landvoigt hievor mit klaren Worten zugeschrieben, dass er solches von ime dermassen und nit anders gehört, das hat ime der Landvoigt auch lassen gefallen, er hette im es vor geraten, segs es auch nachmals gerne, wollte bei Mingkwitz stehen in der Cron Beheim und andern, wie auch seins Abwesens seine Entschuldigung und Bitt dem Ansager und andern vermeldet hett, auch Casper aus dem, dass er der Cron zu Beheim mit Eiden und Pflichten verwandt, alsbald entschuldigt gehalten. Aber Herr Hansen, weil er diese Zeit nichts sonderlichs, dann die gesambte Lehen unter der Cron hette und were dem Churfürsten zu Sachsen mit Diensten verhaft, hette er nit fast entschuldigt. Darbei ist es dasmal aber verblieben.




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